ST.HELENA. DAS KRANKENHAUS
St. Helena ist ein ehrwürdiges Krankenhaus im Berliner Türkenviertel und ehemaligen Arbeiterbezirk, dem einstmals roten Wedding. Auch wenn im Wedding der Preis eines Schultheiss- Biers wegen der steigenden Armut auf einen Euro gefallen ist, St. Helena trotzt diesem Verfall mit seiner schlichten Anmut, den grünen Vorgärten und den blühenden Geranien.
Aus allen Teilen der Stadt kommen Kranke hierher, um sich auf den linoleumweißen Stationen von kompetenten Ärzten und schönen Krankenschwestern heil pflegen zu lassen.
An diesem Ort der Pflege und des Liebreizes, spielt die Geschichte von Natascha, Krankenschwester aus St. Helena.
DIE ÄRZTE
Dr. Weichsel
Dr. Weichsel hat einzig deshalb Medizin studiert, weil er sein Abitur mit der Note 1.0 auf einem humanistischen Gymnasium bestanden hat. Seine Eltern besitzen ein weißgetünchtes Reihenhaus mit der Breite von 7.80 m im Neubaugebiet der mittelständischen Kleinstadt Willenborstel.
Dr. Weichsel ist der Ansicht, dass das Studium der Medizin die beste Methode ist, um zu Geld, Wohlstand, Ansehen, vielen Weibern und einem Audi TT zu gelangen. Über das Auswahlverfahren bekommt er einen Studienplatz in Berlin. Hamburg oder Tübingen wäre ihm lieber gewesen. In Berlin angekommen, geht er planmäßig vor. Er tritt einer schlagenden Verbindung in Wilmersdorf bei. Er unterstützt den Beginn seiner rasanten Karriere mit dem regelmäßigen Besuch von Veranstaltungen der juristischen Fakultät. Die weibliche Studentinnenzahl ist hoch. Im Anatomieseminar II lernt Weichsel seine zukünftige Gattin Beatrix von Aue kennen. Er schwängert sie im Suff, jedoch nicht ohne Kalkül. Seiner Karriere steht nun nichts mehr im Weg. Aufgrund seiner Gattin, die aus einer einflussreichen Familie kommt und den Kontakten über seine Verbindung, bekommt er gleich nach seinem Abschluss eine Stelle. Die Eltern von Beatrix ermöglichen dem jungen Paar den Einzug in ein angemessenes Domizil in Wilmersdorf. Dr. Weichsel avanciert schließlich zum Spezialist für Herz-Nieren Transplantationen und findet seinen Weg als Chefarzt von Station B in St. Helena.
Dr. Schüttler
Dr. Schüttler stammt aus dem Ruhrgebiet. Dort entschließt er Medizin zu studieren. Er wählt das Fachgebiet Anästhesie, denn die Kontrolle über Schlaf und Bewusstsein reizt ihn. In Bochum lernt er seine zukünftige Ehefrau Kerstin kennen, mit der er in Folge sieben Jahre unglücklich verheiratet ist. Trotz ihrer sexuellen Apathie gebärt ihm Kerstin zwei gesunde Kinder. Dr. Schüttler verbringt die Abende vor dem Computer, Kerstin vor dem Fernseher. Wenn Dr. Schüttler auf Tagungsreisen ist, ruft er abends Kerstin an, um mit ihr Telefonsex zu haben. Nur auf Distanz begehren sich die beiden . Kurz nach Geburt ihrer Tochter zerbricht die Ehe. Nach der Scheidung findet Dr. Schüttler eine erste Stelle als Anästhesist im Berliner Krankenhaus St. Helena. Wegen seiner Unterhaltszahlungen an Kerstin ist Dr. Schüttler arm. Er ist unglücklich, lebt in einer Ein- Zimmerwohnung im Prenzlauerberg, hat einen Fernseher, und die Fotos seiner Kinder hängen an den Wänden. Ein lebendiges Zeugnis seiner Sehnsucht. Er möchte nach Hause..
Dr. Stemmler
Dr. Stemmler wächst in einem katholischen Haushalt mit einer strengen Mutter, einem abstinenten Vater und zwei stillen Brüdern auf. Die Mutter züchtigt die drei Buben regelmäßig mit dem Rohrstock und schickt sie danach auf ihre kargen Zimmer zum Beten. Endlich groß geworden, kehrt der zukünftige Dr. Stemmler dem Leben im Glauben den Rücken und studiert Medizin. Sein Ziel ist es, in die Entwicklungshilfe zu gehen.
Er findet einen Studienplatz in Berlin. Alleine gelassen in der Großstadt, bohren sich verdrängte Anteile des früh reglementierten Buben nach oben und sein Studium zieht sich wegen der nächtlichen Aktivitäten und dem unerwarteten Faible für junge Krankenschwestern beträchtlich in die Länge. Mit 34 Jahren schließt er endlich sein Studium ab und findet seinen Weg nach St. Helena. Mit großem Erfolg – herbeigeführt durch eine neue Transplantationsmethode in der Kombination Leber/Milz/Niere - avanciert er zu einem begehrten Spezialisten von Station B.
Dr. Breschewski
Dr. Breschewski maturiert in Krakau. Schon in der Schule beschäftigt er sich bis tief in die Abendstunden mit seinen Betrachtungen von Schnittproben aller Art. Sein kleines Bubenzimmer ist gefüllt mit Büchern über die mongolische Flora. Mit siebzehn Jahren schickt ihn die Mutter wegen seiner schweren Bronchitis auf einen Pferdehof; durchaus auch mit dem Ziel, aus dem schmächtigen Jungen einen gestandenen Mann zu machen. Auf dem Land stellt sich schon schnell Breschweskis außerordentliche Begabung für Pferde heraus. Warum er letztendlich Frauenarzt wird, wissen wir nicht. Es wird aber gemunkelt, dass er wegen der planwirtschaftlichen Zuteilung nicht den erhofften Studienplatz der Tiermedizin bekommen hat. Eine schöne deutsche Frau soll es gewesen sein, die ihn Krakau verlassen lässt. An einem kalten Wintertag eröffnet er seine polnische Frauenarztpraxis im Wedding.
Dr.Mmubutu
Dr. Mmubutu wächst in Nigeria heran. In der kleinen Dorfschule ist er der Beste und überflügelt seine Lehrerin schon im zarten Alter von neun Jahren an Wissen.
Sein Vater sitzt mit Vorliebe im Schatten, redet mit seinen Freunden und webt Stoffe, die Fäden zwischen die nackten Füße geklemmt, während seine Frau auf dem Feld schuftet. Eines Tages findet seine Gattin heraus, dass ihr Mann seit sechs Jahren eine Nebenfrau hat. Die Andere ist eine blonde dralle Schweizerin, die vor Jahren mit ihrem damaligen Mann, auch einem Schweizer, nach Afrika gezogen ist. Sogar im warmen Afrika musste er täglich sein Käsefondue essen, und das hat seine Frau nicht länger ausgehalten. Nach der Trennung hat sie die Vorzüge der afrikanischen Männer kennen - und lieben gelernt. Eines Tages ist ihr auch der muskulöse Herr Mmubutu aufgefallen. Sie begegnen sich auf dem Markt. Die Schweizerin verführt ihn gleich hinter den Essenständen. Als die Zweitbeziehung auffliegt, wirft Frau Mmubutu ihren Mann aus der Hütte und kümmert sich alleine um die zehn Buben. Sie hat immer verschwiegen, dass nicht alle gleicher Herkunft waren.
Der kleine Mmubutu übernimmt die Rolle des Versorgers und Beschützers. Im Alter von 18 Jahren lernt er am Flughafen von Lagos, wo er als Putzjunge arbeitet, ein blondes Mädchen aus Deutschland kennen. Dieses Mädchen steht für ihn für ein ganzes Land teutonischer Schönheiten, ein Eldorado sinnlicher – und finanzieller - Erfüllung. Er entscheidet sich, die Versorgung der Familie aus Deutschland zu sichern. Er arbeitet ein weiteres Jahr als Putzjunge und spart die Reise zusammen. Dann fliegt er als Tourist nach Berlin. Dort sieht er viele schöne Frauen, die ihn allesamt ablehnen, und auch das finanzielle Eldorado zeigt sich nicht. Jede Nacht ist er gezwungen, in einer Weddinger Eckkneipe für einen Hungerlohn Geschirr zu spülen. Er wohnt zusammen mit acht anderen Afrikanern in einer Hinterhofwohnung im Wedding. Nach dem Geschirrspülen liegt er oft auf seiner Matratze, und wenn er sich unbeobachtet fühlt, fasst er unter die Bettdecke und denkt an das blonde Mädchen von damals. Sie geht ihm einfach nicht aus dem Kopf.
Er beschließt, sie zu suchen und streift in jeder freien Minute durch die Stadt. Er hat schon beinahe aufgegeben, da sieht er sie endlich in einer Kneipe am Prenzlauerberg. Die Wiedersehensfreude ist groß, beide fallen sich in die Arme und sind augenblicklich ein Liebespaar. Nach wenigen Monaten aber läuft das Visum des jungen Mmubutu ab: Ihre Liebe steht auf Messerschneide. In letzter Minute entscheidet sich das junge Paar in Dänemark zu heiraten. Zwei Jahre rauschen an ihnen vorbei, das Glück scheint kein Ende zu nehmen, und der Küchenjob geht Mmubutu leicht von der Hand. Alles scheint perfekt. Bis seine ihm überraschend die Scheidung verkündet. Sie habe sich in einen Arzt verliebt, der ihr bessere Perspektiven böte, sie könne den Küchengeruch in ihrem Bett nicht mehr ertragen, das Buletten-und Frittenfett, das ginge nicht mehr. Mmubutu ist am Boden zerstört. Wegen seines hervorragenden Schulabschlusses schafft er es aber einen Studienplatz für Medizin zu ergattern. Er wird ein herausragender Berliner Student. Später spezialisiert er sich auf den Bereich der Frauenkunde und eröffnet eine Praxis im Wedding.
DIE KRANKENSCHWESTERN
Natascha
Natascha ist die Tochter einer liebevollen Wäscherin und eines trunksüchtigen Pferdehirten. Sie wird in einer ruhigen Nacht als siebtes Kind neben den Bahngleisen der örtlichen Eisenbahn geboren. Ihre Geburt kommt überraschend. Die Mutter hatte die wachsende Leibesfrucht nicht einmal gespürt, so beschäftigt war sie mit der täglichen Arbeit, so übermächtig war ihre Leibesfülle. Natascha wächst in einem Häuschen in der Tartarei zwischen den Wäschetrögen, dem schmutzigen Wasser und der schrubbenden Mutter auf. Oft geht die kleine Natascha zum Spielen zu den Bahngleisen und schaut sehnsüchtig entlang der im Sonnenlicht glänzenden Schienen in die Ferne. Als Natascha zwölf Jahre alt wird, erkennt der Vater die heranwachsende Frau in ihr. Die Mutter bemerkt seine begehrlichen Blicke und wirft ihn aus dem Haus. Fortan kümmert sie sich allein um ihre Kinder.
Trotz ihrer Armut besitzt die Familie ein Fernsehgerät. Nachmittags, wenn sich die Mutter von der anstrengenden Arbeit erholt, schaut sie mit Vorliebe Arztserien. Diese Klinikwelt erscheint Natascha so schön - die sauberen Ninoleumfußböden, die hellen Lichter an den Decken, die weißgekleideten Ärzte. Sie fasst zwei Entschlüsse: Krankenschwester zu werden, und zwar im Westen, in dieser glitzernden Welt, die sie aus dem Fernsehen kennt, und einen Arzt zu heiraten. Und so kommt sie mit zarten 23 Jahren, den Blick schüchtern auf den Asphaltboden gerichtet, nach Berlin. Sie findet ein kleines Zimmer im Wedding und beginnt eine Ausbildung als Krankenschwestern in St. Helena.
Schwester Magdalena
Magdalena besucht die Realschule in der baden-württembergischen Kleinstadt Bad Rappenau und entschließt sich früh, Krankenschwester zu werden. Sie verliebt sich in einen Berliner, den sie auf einer Abschlussklassenfahrt ins märkische Umland kennen lernt. Da es Liebe ist, zumindest glaubt sie daran, zieht sie ihm hinterher und findet einen Ausbildungsplatz in St. Helena. Als sie aber ihren Liebsten mit einer anderen Krankenschwester im Hinterzimmer eines dunklen Clubs findet, begreift sie doch, dass den Liebeschwüren ihres Berliner Burschens nicht zu trauen ist. Dennoch verliert sie den Glauben an die wahre Liebe nicht. Sie wünscht sich mit dem Mann ihrer Träume nach Baden Württemberg zurückzukehren
WEITERE WICHTIGE FIGUREN
Natascha´s Freundin: Katinka Kowalski
Katinka Kowalski stammt aus einem kleinen Dorf in Polen, unweit der deutschen Grenze. Als Kind sitzt sie oft alleine an den wilden Sumpfauen der Oder. Im Winter betrachtet sie das dahintreibende Eis auf dem trägen Strom, im Sommer lauscht sie den Schwingen der Adler. Ihr Blick schweift über die Oder hinweg nach Westen. Früh fasst sie die Erscheinungen der Natur in innere Worte und meditiert über das Wesen der Dinge. Nach der Schule findet sie eine Anstellung auf einem Reiterhof an der Oder. Doch ihre innere Berufung führt sie nach Berlin….
Tante Olga
Tante Olga wird schon in jungen Jahren mit Jurek, dem Obstgärtner aus Jagniatikow in Schlesien verheiratet. Zusammen erwerben sie ein kleines Haus unweit von Görlitz und gelangen im Laufe der Jahre zu bescheidenem Wohlstand.
Tante Olga redet nie über die frühen Jahre. Es lässt sich nur dunkel vermuten, was damals geschehen ist. Sicher ist aber, dass sie in einem Bus als Teil einer Putzkolonne ihren Weg nach Berlin gefunden hat und sich dort rasch in die polnische Community integriert hat. Mit deren Hilfe hat sie bald eine gepflegte Zwei-Zimmerwohnung im Erdgeschoss einer begrünten Wohnsiedlung im Wedding gefunden. Tante Olga wird eine beliebte Anlaufstelle für Lebensfragen aller Art, die sie am Resopaltisch ihrer kleinen Wohnküche löst.
Frau Weichsel
Frau Weichsel wächst in geordneten Verhältnissen auf. Ihr Vater ist ein Topmanager, der es durch die Heirat mit ihrer Mutter ganz nach oben bringt. Er lernt sie bei einem Discobesuch der gehobenen Gesellschaft im Münchener Umland kennen. Nach der Eheschließung, die von einem rauschenden Fest und einer anständigen Ehenacht gekrönt ist, tritt die Mutter einem Bridgeclub bei, der Vater dem Rotary Gourmet und dem Golfclub. Samstagnachmittags quält er sich in einem gehobenen Fitnessstudio mit Bodyshaping. Sonntagabends geht er mit seiner Gattin tanzen und schließt die Nacht mit einem geregelten Koitus ab. In Folge gebärt ihm seine Gattin einen Sohn und eine Tochter: Frau Weichsel. Frau Weichsel sieht ihren Vater jeden Samstagmorgen zwischen neun und zehn Uhr, eine Zeit, so sagt er, in der er ihr uneingeschränkt zur Verfügung stehe. Ansonsten hat sie aber eine ordentliche Kindheit. Mit 18 Jahren bekommt Frau Weichsel einen BMW für die Fahrt zu Schule. Nach dem Schulabschluss studiert sie Jura und arbeitet an ihrem Goldabzeichen im Standardtanz. Ihr lang geschnittenes Haar hat sie zu einem Pferdeschwanz gebunden, zu gepflegten Jeans trägt sie Polo-Shirts, an den Füßen schwarze Collegeschuhe. Frau Weichsel soll aber auch dunkle Flecken in ihrer Vergangenheit haben - so soll sie mal mit einem langhaarigen Mann gesehen worden sein. Als sie sich jedoch von einem jungen Medizinstudenten auf einer Party der juristischen Fakultät schwängern lässt, ist ihre Karriere als Anwältin beendet. Nunmehr ist sie hauptberuflich Gattin.
Frau Elke Meier-Haushofen
Frau Elke Meier-Haushofen hat das Glück in gute Verhältnisse hineingeboren zu werden. Ihre Eltern besitzen ein großes Landgut in Brandenburg, umgeben von klaren Seen und grünen Wäldern. In den Ställen stehen prachtvolle Pferde. In liebevoller Fürsorge ihrer Mutter wächst die kleine Elke zusammen mit ihren zwei Schwestern und drei Brüdern auf. Der Vater ist ein strenger Patriarch, der sein Arbeits- und Familienleben aufs Genauste plant und auch daheim den Anzug trägt. Die Mutter ordnet sich im vordergründig unter, hintergründig jedoch, so wird gemunkelt, hat sie eine Liasion, aus welcher der dritte Bube entstammen soll. Schon früh weicht Elke aus dem Reigen ihrer Geschwister aus, zieht in die vernebelten Felder und Wälder und verliebt sich eines Tages in einen Rehbock. Jeden Morgen geht sie nun heimlich auf Umwegen zur Schule um ihren Rehbock von einem Forststand aus zu beobachten. Die Noten der kleinen schlechter. „Sie träumt zuviel“, sagen ihre Lehrer. Daraufhin kommt sie in ein Internat und vergisst ihre erste Liebe, den Rehbock, entdeckt dafür aber ihre Leidenschaft für Hunde und entschließt sich - zum Entsetzen ihrer Familie - eine Hundefarm zu eröffnen. Elke besucht im süddeutschen Nussloch einen Kurs für Pudeldressur und lernt dort einen dubiosen Hobbyfotografen kennen.
Herr Nngabnbe
Herr Nnagabnbe wird an der Elfenbeinküste als mittleres von zwölf Geschwistern geboren. Sein Vater verlässt die Familie für eine andere Frau. Die Mutter bleibt allein zurück. Ein Leben in Armut scheint vorgezeichnet, doch es kommt anders. Eines Tages fährt ein weißer Mensch auf einem vollgepackten Fahrrad vorbei. Dieser Reisende ist aus Berlin und hat gerade seine vierte Beziehung in Folge beendet. Keine seiner Frauen hatte ein Kind von ihm gewollt. Dazu ist er ihnen zu geizig gewesen. Jetzt versucht er sein Glück in der Organisation geführter Fahrradtouren durch Afrika und ist gerade dabei, die erste Strecke im Selbstversuch zu testen. Er ist gerade bei Kilometer zehn angekommen als er Frau Nnagabnbe sieht. Aus lauter Bedürftigkeit verliebt er sich in sie. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass Frau Nnagabne eine prachtvolle Frau mit viel Herzlichkeit, einem schönen Lachen und ungebrochenen Fruchtbarkeit ist. Trotz seines Geizes nimmt er sie und ihre zwölf Kindern zurück nach Berlin und hofft auf die Unterstützung der Sozialkasse, ein Konzept, das aufgeht. In Berlin mieten sie sich eine günstige Zwei- Zimmerwohnung im Wedding und verbringen ihre Sonntage glücklich beim Grillen im Stadtpark. In diesem Umfeld wächst Herr Nangabnbe auf. Im Alter von 18 Jahren beginnt er als Aushilfskoch in einem türkischen Restaurant zu jobben. Hier lernt er Sarah kennen und heiratet sie bald. Frau und Herr Nnagabnbes Fähigkeiten für außersinnliche Erscheinungen und ihre Kontaktfähigkeiten zu den Zwischenwelten ist zu dieser Zeit keinem bekannt. Das junge Paar eröffnet einen Laden für Haarflechtkunst und afrikanische Lebensmittel im Wedding.
Winfrid Wenisch
Winfrid Wenisch wird 1940 in Nussloch bei Heidelberg geboren. Seine Eltern wagen - als der Bub drei ist - eine große Veränderung. Sie ziehen ins vier Kilometer entfernte, weiter östlich gelegene, Leimen.
Dort verbringt der Bub eine mehr oder weniger eintönige Kindheit. Schon bald fühlt er, dass er für ein anderes Leben bestimmt ist. Als Winfried 18 Jahre alt wird, ersteht er auf dem Flohmarkt eine Kamera und beginnt eifrig zu fotografieren. Bald gibt er seine erste Fotoausstellung in der Leimener Sparkasse. Das Thema der Fotos, die Gestalt von Eisenbahnschienen, sorgt wegen der ungewöhnlichen Motive für Aufruhr, ja, sagen wir, für Empörung. Man munkelt, dass der Junge nicht ganz richtig sei.
Doch Winfrid Wenisch lässt sich nicht beirren. Als er 21 Jahre wird, verlieren wir jede Spur von ihm, bis er 20 Jahre später wieder in Nussloch auftaucht.
Auf dem Land seines Vaters baut sich Winfrid eine Doppelhaushälfte mit Einliegerwohnung. Bald nimmt er eine Anstellung bei einem großen Unternehmen an. Bis eine Fotosafari nach Namibia sein Leben verändert...
Der Xaxaxa
Der Xaxaxa ist ein Wesen mit einem Tierkopf und einem Menschenkörper. Seit wann es ihn gibt, ist nicht bekannt. Der Xaxaxa wird für sexuell-rituelle Handlungen eines afrikanischens Stammes in Namibia angerufen. Seine Anhänger glauben an die Vitalkraft des Xaxaxa, der sogar sterbenden Greisen zu jugendlichen Kraftakten im Bett verhilft und spröde Frauen in bereite Gespielinnen verwandelt. Aber damit ist die Funktion des Xaxaxa noch lange nicht erschöpft. Das wäre zu banal! Vielmehr besitzt er eine nahezu transzendentale Aufgabe: durch die Anwesenheit des Xaxaxa bei einer sexuellen Vereinigung geht das Paar eine Bindung ein, die nicht nur zu ungeahnten ekstatischen Erlebnissen, sondern auch zu einer spirituellen Verbundenheit führen kann. Der Xaxaxa wird durch die Einnahme eines Breis, des sogenannten Burriburri Sods angerufen.